Blog

Klassiker: Heiner Nordwand

mehr Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 15. März 2020

Chag Sameach/חג שמח

mehr Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 15. März 2020

Der gottlose Handschuh

Die #MeToo-Debatte ist inzwischen gut zwei Jahre alt und seit ihrem Beginn wieder weitgehend in Vergessenheit geraten. Das Problem des sexuellen Missbrauchs, der sich insbesondere gegen Frauen richtet, ist geblieben. Am deutlichsten zeigt dies sich derzeit wohl in Südafrika. Obgleich in der Regenbogennation, wie Desmond Tutu das Land einst bezeichnete, die Problematik seit Jahrzehnten besteht, hat sich erst 2019 ein international wahrnehmbarer Protest formiert. Dabei belegt bereits eine Studie aus dem Jahr 2009, dass rund ein Drittel aller Männer schon mindestens ein Mal eine geschlechtsbezogene Gewalttat begangen hat. Dieselbe vom Medical Research Council in Südafrika durchgeführte Studie zeigt auch, dass über die Hälfte jener Täter in ihrer Kindheit selbst Opfer von physischer oder psychischer Gewalt sowie Vernachlässigung war, wie Mia Malan vom Bhekisisa Centre for Health Journalism erklärt. Hier also einen Zusammenhang zwischen (früh-) kindlichen Traumata und erhöhter Gewaltbereitschaft herzustellen, liegt durchaus nahe. Doch was angesichts der erschreckenden Zahlen zunächst als spezifisch südafrikanisches Phänomen erscheinen mag, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als internationales Problem. Dies veranschaulicht bspw. Fatih Akins Kino-Schocker Der goldene Handschuh.

mehr Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 7. November 2019

Es verendet.

Und wieder einmal treibt der Gestaltwandler mit dem wohl markantesten Make-up ganz Neuenglands sein Unwesen. So ist nicht eben überraschend, dass, genau wie der erste Teil der Dilogie, auch Es Kapitel 2 insbesondere von seiner Bildästhetik lebt. Umso bedauerlicher ist hingegen, dass vor allem der dritte Akt des Films zu stark auf CGI setzt. Dabei wäre das, angesichts der großartigen Besetzung, gar nicht notwendig. Trotz zahlreicher Rückblenden ins Jahr 1989, die Jugendzeit des aus dem ersten Teil bekannten 'Club der Verlierer' alias Bill, Ben, Bev, Stan, Mike, Richie und Eddie, geht es in Es Kapitel 2 vorrangig um die Begegnung der inzwischen 27 Jahre älteren Charaktere mit dem bevorzugt als Clown Pennywise erscheinenden Es.

mehr Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 7. November 2019

Swiss Artsy Man

Zugegeben, lebende Tote sind im abendländischen Drama nichts gänzlich Unbekanntes. In der Hochkultur, so etwa in Shakespeares Hamlet, treten sie häufig als auktoriale Mahner auf, in der Popkultur hingegen vor allem als gehirnfressende Zombies, wie insbesondere im ersten Teil von Simon Peggs sog. Cornetto-Trilogie. Und selbst in der orientalischen Literatur, nicht zuletzt der Bibel, wird von Gesprächen zwischen Lebenden und Toten berichtet (vgl. 1 Sam 28). Dass ein Verstorbener aber nicht etwa nur ein Statistendasein fristet, sondern selbst zum Protagonisten wird, das ist dann doch eher ungewöhnlich. Zumal der besagte Verstorbene weder als ätherisches Geistwesen dargestellt wird noch als blutrünstiger Untoter, sondern als das, was er tatsächlich ist, nämlich ein verwesender Leichnam. Ein Leichnam mit offenbar chronischen Flatulenzen, um genau zu sein.

mehr Zuletzt aktualisiert: Montag, 25. Februar 2019

Quite a Place

Einige Filme der jüngeren Vergangenheit, die im weitesten Sinne dem Horrorgenre zuzurechnen sind, wie etwa The Purge oder Get Out, haben es vorgemacht: Interesse und Spannung entstehen vor allem durch eine innovative Grundidee. Eine solche trägt auch ganz eindeutig die sonst bisweilen konstruiert wirkende Handlung von A Quiet Place. Erzählt ist Erstere recht schnell: die Erde wird invadiert von einer offenkundig extraterrestrischen Lebensform, die zwar keinen Seh-, dafür jedoch einen umso sensibleren Hörsinn besitzt, den sie nutzt, um alle sonstigen Lebewesen aufzuspüren und zu vernichten. Einzige Überlebenschance der Menschen ist also, kein Geräusch von sich zu geben, was freilich die Kommunikation untereinander deutlich erschwert. Der (anfangs) fünfköpfigen Familie, die im Zentrum des Films steht, gelingt dies dennoch, da Gebärdensprache, aufgrund der Gehörlosigkeit der ältesten Tochter, ohnehin die interne Lingua franca bildet.

mehr Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 6. Januar 2019

Ga-Rankuwa

mehr Zuletzt aktualisiert: Dienstag, 4. Dezember 2018

Horror!

Offenbar ist es heutzutage schlicht und ergreifend zu tolerieren, dass sog. Biodeutsche, wie z.B. Thilo Sarrazin, einem die arabische Kultur und Denkweise erklären. So wie es wohl auch hinzunehmen ist, dass Christen, wie etwa Arno Backhaus,1 einen über das heidnische Brauchtum belehren. Im letztgenannten Fall besteht die Tragik vor allem darin, dass die hierzu berufen Geglaubten nicht nur sich, sondern auch ihre Glaubensgeschwister lächerlich machen. Nicht zuletzt dadurch, dass sie überholte Deutungsmodelle aus dem 19. Jahrhundert bemühen, welche bspw. einen Zusammenhang zwischen Halloween und dem keltischen Samhain-Fest zu konstruieren versuchen. Entgegen dem paulinischen Hermeneutikprinzip, alles zu prüfen und lediglich das Gute zu behalten,2 werden derartige Hypothesen nur all zu gern als Tatsachen erachtet und ungefiltert weiterverbreitet. Dabei sind ausgehöhlte Kürbisse natürlich auch nicht mehr oder weniger christlich als mit Lametta behängte Tannenbäume. Dennoch gilt Letzteres als legitim, Ersteres aber nicht und das anscheinend nur, weil es hierzulande weniger verwurzelt ist. So entpuppt sich die vermeintliche Apologetik bei genauerem Hinsehen als fromm verbrämte Deutschtümelei.

mehr Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 25. November 2018

Jurassic World: Die gefallene Technokratie

Filmkritik

Eine zu evakuierende Insel mit Dinos, ein skrupelloser Konzern, lebensgroße Animatronics auf Lkw-Anhängern, ein betäubter Theropode auf dem OP-Tisch, Dinoattacken im Wohngebiet und nicht zuletzt Dr. Ian Malcolm, – wer den Trailer zur Forsetzung von Jurassic World gesehen hat, könnte vermutet haben, es handle sich hierbei lediglich um ein Remake des 1997 erschienenen Vergessene Welt: Jurassic Park. Tatsächlich erweist sich der Film jedoch als zumindest etwas eigenständiger und ungewohnt aber erfrischend düster. Allerdings kann auch Regisseur Juan Antonio Bayonas bisweilen kafkaeske Bildsprache nicht über die zahlreichen Logikfehler hinwegtäuschen. So stellt sich etwa die Frage, weswegen so viel Aufwand um die Evakuierung von Isla Nublar betrieben wird, während für Fans der Reihe doch klar sein dürfte, dass Vertreter nahezu jeder Sauriergattung auch auf Isla Sorna noch zu finden sind.

mehr Zuletzt aktualisiert: Dienstag, 10. Juli 2018